Warum die Wahl des Druckfarbensystems für die Kreislaufwirtschaft wichtig ist
Von Dr. Thomas Hohberg, Sustainability Manager, Follmann
Exklusiver Fachbeitrag, ursprünglich am 21. September 2026 online bei Sustainable Packaging News veröffentlicht.
Die Branche für flexible Verpackungen entwickelt sich zunehmend in Richtung Kreislaufwirtschaft. Dabei verlagert sich der Fokus von einzelnen Materialien auf die Frage, wie die gesamte Verpackung über ihren Lebenszyklus hinweg funktioniert.
Für Markenhersteller und Verpackungsproduzenten bedeutet dies, Produktschutz, Attraktivität am Point of Sale, Druckqualität und Leistungsfähigkeit innerhalb der Lieferkette mit Recyclingfähigkeit, Nachhaltigkeitszielen und sich verändernden regulatorischen Anforderungen in Einklang zu bringen. Die Wahl des Druckfarbensystems sollte daher in einem größeren Zusammenhang betrachtet werden: nicht nur als Entscheidung über die Druckqualität, sondern als Bestandteil der gesamten Verpackungsspezifikation.
Die nächste Entwicklungsphase nachhaltiger flexibler Verpackungen wird nicht allein durch die Wahl des Substrats bestimmt, sondern vielmehr dadurch, wie gut es den Verpackungsherstellern gelingt, das Zusammenspiel sämtlicher Verpackungskomponenten aufeinander abzustimmen.
Die Entwicklung recyclingfähiger PE- und PP-Monomaterialstrukturen zeigt, warum die Wahl des Substrats nicht isoliert betrachtet werden kann. Zwar spielt das Polymer eine zentrale Rolle für die Recyclingfähigkeit, doch auch andere Komponenten, darunter die Druckfarbe, beeinflussen die Sammlung, Sortierung und Wiederaufbereitung.
Obwohl Druckfarben nur einen vergleichsweise geringen Anteil an der fertigen Verpackung ausmachen, kann ihre Zusammensetzung Auswirkungen auf die Recyclingfähigkeit haben.
Im Jahr 2025 veröffentlichte RecyClass Ergebnisse einer Testreihe, die sich am Recyclability Evaluation Protocol für PE-Folien orientierte. Dabei wurden Unterschiede zwischen konventionellen NC-basierten Druckfarben und alternativen Farbchemien auf flexiblen PE- und PP-Verpackungen festgestellt. Die untersuchten PU- und PVB-basierten Druckfarben erwiesen sich als vollständig kompatibel mit den entsprechenden Recyclingströmen. Daraufhin aktualisierte RecyClass seine Design for Recycling Guidelines für eingefärbte flexible PE- und PP-Verpackungen, um die neuesten Erkenntnisse zu Druckfarben und Bindemittelsystemen zu berücksichtigen.
Auch die regulatorischen Anforderungen an bedenkliche Stoffe werden zunehmend verschärft. So begrenzt beispielsweise Artikel 5 der europäischen Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) die Summe aus Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertigem Chrom in sämtlichen Verpackungen auf 100 mg/kg. Seit dem 12. August 2026 gelten zudem festgelegte Konzentrationsgrenzwerte für PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen.
Die chemische Zusammensetzung von Druckfarben muss deshalb gemeinsam mit Substraten, Klebstoffen, Beschichtungen und weiteren Bestandteilen der fertigen Verpackung bewertet werden. Die tatsächliche Recyclingfähigkeit hängt letztlich von der gesamten Verpackung und der verfügbaren Recyclinginfrastruktur ab.
Die britische Recyclability Assessment Methodology (RAM) bewertet Haushaltsverpackungen anhand ihrer Materialzusammensetzung sowie der Auswirkungen einzelner Komponenten auf Sammlung, Sortierung, Wiederaufbereitung und anschließende Verwendung. Die daraus resultierende Bewertung der Recyclingfähigkeit dient als Grundlage für die Staffelung der Gebühren im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung für Verpackungen (Packaging Extended Producer Responsibility, pEPR). Damit wird die Recyclingfähigkeit unmittelbar mit den Verpackungskosten verknüpft.
Entscheidungen über einzelne Verpackungsbestandteile, einschließlich der Druckfarben, können somit sowohl den Recyclingweg einer Verpackung als auch die damit verbundenen Gebühren beeinflussen.
Eine verbesserte Recyclingfähigkeit darf die grundlegende Funktion flexibler Verpackungen nicht beeinträchtigen. Veränderungen bei Materialien oder Technologien müssen weiterhin die Eigenschaften gewährleisten, die erforderlich sind, um das verpackte Produkt entlang der gesamten Lieferkette zuverlässig zu schützen.
Wasserbasierte Druckfarbentechnologien verdeutlichen, wie die Druckfarbenchemie dazu beitragen kann, diese Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen. PU- und acrylatbasierte Systeme bieten die Haftung, Flexibilität, Druckqualität und Beständigkeit, die für anspruchsvolle Anwendungen auf flexiblen Folien mit unterschiedlichen Substraten und Produktionsverfahren erforderlich sind.
Nachhaltigkeit betrifft darüber hinaus auch die Produktion. Eine präzise Rastertonwiedergabe und eine zuverlässige Farbübertragung können dazu beitragen, vermeidbare Produktionsabfälle zu reduzieren. Wasserbasierte Systeme können außerdem die Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) und den Energieverbrauch senken und damit potenzielle CO₂-Einsparungen ermöglichen.
Eine Verpackungsstruktur auf PE- oder PP-Basis kann ein verbessertes Recyclingpotenzial bieten. Gleichzeitig muss sie jedoch die erforderlichen Barriereeigenschaften, mechanischen Eigenschaften und optischen Anforderungen erfüllen und sich wirtschaftlich produzieren lassen.
Die Wahl des Druckfarbensystems muss daher Bestandteil der umfassenden Verpackungsspezifikation sein. Ihre Auswirkungen sind stets im Zusammenhang mit dem Substrat und dem Produktionsprozess zu betrachten.
Mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Entwicklung wasserbasierter Druckfarben haben uns gezeigt, dass erfolgreiche Verpackungslösungen nur selten allein von der Chemie abhängen. Entscheidend ist vielmehr, wie die einzelnen Komponenten im Druckprozess zusammenwirken.
Eine Druckfarbe kann unter kontrollierten Testbedingungen hervorragende Ergebnisse erzielen, sich jedoch auf einem bestimmten Substrat oder einer konkreten Druckmaschine bei Produktionsgeschwindigkeit anders verhalten. Das Verständnis dieser Wechselwirkungen ist entscheidend, um die erforderliche Druckqualität und Leistungsfähigkeit der Verpackung sicherzustellen.
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft setzt voraus, dass Materialien, Druckfarben, Klebstoffe, Beschichtungen und weitere Verpackungsbestandteile über den gesamten Lebenszyklus hinweg aufeinander abgestimmt sind. Sie müssen sowohl die erforderliche Leistungsfähigkeit während der Nutzung gewährleisten als auch praktikable Recyclingwege unterstützen.
Werden diese Faktoren frühzeitig berücksichtigt, lassen sich Nachhaltigkeitsziele bereits bei der Entwicklung der gesamten Verpackung integrieren.
Für Markenhersteller, Verpackungsproduzenten und Druckfarbenhersteller bedeutet dies, die Wahl des Druckfarbensystems früher in den Verpackungsentwicklungsprozess einzubeziehen.
Werden die chemische Zusammensetzung der Druckfarben, das Substrat, der Verpackungsaufbau, der Produktionsprozess und der vorgesehene Recyclingweg gemeinsam bewertet, können aus den Zielen der Kreislaufwirtschaft konkrete Verpackungslösungen entstehen. Diese erfüllen nicht nur ihre Anforderungen während der Nutzung, sondern sind auch mit der nächsten Phase ihres Lebenszyklus vereinbar.